BMBF - Verbundprojekt „HyReKA“ erforscht die Verbreitung antibiotikaresistenter Bakterien durch Abwasser

Jeder kennt bakterielle Infektionen – manchmal eher harmlos, als kleine entzündete Wunde oder schwer bis mitunter tödlich wie bei einer Lungenentzündung oder Sepsis. Seit der Entdeckung des ersten Antibiotikums vor fast 90 Jahren können Ärzte bakterielle Infektionen gut behandeln. In den letzten Jahren steigt jedoch die Zahl der Erreger, gegen die gebräuchliche Antibiotika nicht mehr wirken. Oft ereignen sich Infektionen mit solchen Erregern in Krankenhäusern. Sie werden dort unter erheblichem Mehraufwand therapiert, da es schwierig ist, solche Infektionen effektiv zu bekämpfen. Ein besonderes Problem sind multiresistente Bakterien, die Resistenzen gegen mehrere oder sogar gegen alle gebräuchlichen Antibiotika ausgebildet haben. Zunehmend werden solche multiresistenten Bakterien auch aus der ambulanten Bevölkerung isoliert.

Flussdiagramm, das die Stufen des Projekts zeigt

Dies legt nahe, dass resistente Erreger in die Umwelt gelangen und von dort aus wieder auf den Menschen übertragen werden.

Der Forschungsverbund HyReKA wurde ins Leben gerufen, um einen aktiven Beitrag zum umweltbezogenen Gesundheitsschutz der Bevölkerung zu leisten. Er setzt sich aus Forschern verschiedener Fachrichtungen (Mediziner, Biologen, Geografen, Ingenieure, Agrarwissenschaftler, Lebensmitteltechnologen und Ernährungswissenschaftlern), kommunalen Wasserwirtschaftsbetrieben und Industriepartnern zusammen.

Folgende Ziele hat der Verbund sich gesetzt:

  • Einträge von antibiotikaresistenten Bakterien, Antibiotikaresistenzgenen und Antibiotikarückständen in die Umwelt, zum Beispiel durch Abwässer aus Krankenhäusern, kommunalen Abwässern oder auch Abwässern aus Tiermastbetrieben qualitativ und quantitativ zu untersuchen. Damit sollen Belastungssituationen und Verbreitungswege identifiziert und Risikopotentiale abgeschätzt werden können.
  • Das Übertragungsrisiko aus dem Umweltbereich, aus der Landwirtschaft oder Tiermast zurück zum Menschen, im Kontakt mit kontaminiertem Wasser oder Lebensmitteln zu charakterisieren (Microbial Dissemination).
  • Die Rückverfolgbarkeit von antibiotikaresistenten Erregern und Resistenzgenen aus Abwässern auf deren Ursprungsorte im Sinne des Microbial Source Tracking soll geprüft werden.
  • Innovative technische Verfahren der Abwasseraufbereitung an Kläranlagen sollen die Verbreitungspfade dieser Erreger unterbrechen.
  • Auf der Basis der Ergebnisse des HyReKA-Verbundprojekts werden letztlich Handlungsempfehlungen formuliert, die dazu dienen sollen, angepasste behördliche Regularien für die identifizierten Risikobereiche zu erstellen.

Auf Basis der Ergebnisse soll die Bevölkerung vor der Ausbreitung  aus der Umwelt stammender antibiotikaresistenter Erreger geschützt werden. Damit können auch Einsparungen im Gesundheitswesen erzielt und die Wirksamkeit neuer Antibiotika längerfristig geschützt werden.

 

Ansprechpartner

Prof. Dr. med. Dr. h.c.
Martin Exner
Direktor des Instituts für Hygiene und öffentliche Gesundheit
Universitätsklinikum Bonn
Sigmund-Freud-Str. 25
53105 Bonn
Tel.: 0228 287-15520
martin.exner(at)ukb.uni-bonn.de

Prof. Dr. rer. nat.
Thomas Schwartz
Karlsruher Institut für Technologie
Campus Nord
Institut für funktionelle Grenzflächen
Hermann-von-Helmholtz-Platz 1
76344 Eggenstein-Leopoldshafen
Tel.: 0721 608-26802
thomas.schwartz(at)kit.edu